Faustlos

 

 

Hinter diesem Projekttitel verbirgt sich ein wissenschaftlich fundiertes Gewaltpräventionsprogramm ("Second Step"), welches in den USA entwickelt und in einer mehrjährigen Entwicklungs- und Forschungsarbeit von Prof. Dr. Cierpka am Universitätsklinikum Heidelberg für Deutschland übersetzt, adaptiert und evaluiert wurde. Es wird mittlerweile in vielen europäischen Ländern praktiziert, u. a. in Dänemark, Norwegen, Österreich und der Schweiz.

 

Ziele dieses Lernprogramms sind kurz zusammengefasst

  • der friedliche Umgang miteinander
  • die Aneignung von Konfliktbewältigungsstrategien
  • die Förderung von so genannten &ldquot;Soft Skills&bdquot; (Verhaltensfertigkeiten) fürs Leben
  • gutes Selbstbewusstsein und Konfliktbewältigung als Ergebnis

Es gelten folgende Grundsätze

  • je früher, desto besser
  • immer wieder
  • Breitenwirksamkeit
  • Evaluation

Didaktisch wird Wissen mit Praxisbezug vermittelt (Lernen am Modell). Faustlos soll als angewandtes Prinzip im Schulalltag verankert werden.

In drei Phasen erfolgt der Lehrgang
Empathieförderung = Erproben von Einfühlungsvermögen (Perspektivenwechsel) als Basis
Impulskontrolle = Strategien zur eigenständigen Problemlösefähigkeit (5 Schritte zur Problemlösung) als Nachdenkhilfe
Umgang mit Wut und Ärger = konstruktiver Umgang mit Aggressionen (4 Schritte zum konstruktiven Umgang mit Ärger und Wut) als Handlungsanleitung, um Ärger abbauen zu können, bevor spontan reagiert wird.
Über drei Schuljahre hinweg greift dieses Curriculum jeweils alle drei Bereiche auf und behandelt sie auf verschiedenen Ebenen.

 


So sieht Wut aus.

 

Faustlos beginnt möglichst noch, bevor Probleme überhaupt auftreten, also bei uns gleich in der ersten Klasse. Im Fokus steht nicht die Auffälligkeit, sondern das Modell eines positiven Sozialverhaltens. Das Kind lernt am positiven Modell (Bandura).

 


So sieht Freude aus.

 

Was verbinden die SchülerInnen mit dem Begriff Faustlos? Hier einige spontane Antworten:

  • "Wir lernen Gefühle."
  • "Ich habe nicht gewusst, dass man andere nicht unterbrechen soll, wenn sie gerade beschäftigt sind. Mit Faustlos habe ich das gelernt"
  • "Rollenspiele bei Faustlos machen Spaß und man weiß dann, wie es geht."
  • "Mit Faustlos suchen wir nach Lösungen, die funktionieren."

 


Rollenspiel

 

Faustlos - ist für jedes Kind in der Grundschule Wössingen seit März/ April 09 ein Begriff, egal, ob es die erste oder in der dritte Klasse besucht und bildet einen festen Bestandteil der Wochenplanung.
Die Kinder machen sich gegenseitig auf die gelernten und im Bewusstsein präsenten Regeln aufmerksam.
In Klassenzimmern hängen Plakate an den Wänden, z.B.

  • Wie gehe ich mit meiner Wut um?
  • Woran erkenne ich, dass mein Klassenkamerad traurig ist?
  • Wie kann ich meiner Freundin helfen?
  • Das macht mich ärgerlich! Hör auf, das möchte ich nicht! ...
Man hört verstärkt “Ich-Botschaften„ statt vorwurfsvoller Du-Botschaften

 


So sieht Traurigkeit aus.

 

Wie kam es dazu, dieses Gewaltpräventionsprogramm als Projekt für die ganze Schule durchzuführen? Das Programm war unserer Schulleitung bekannt, aber, dass es etwas kostet auch. Im Januar 2009 bot sich die Sparkasse Kraichgau als Sponsor an. So ging es Schlag auf Schlag. Zwischen Anmeldung, Fortbildung des gesamten Kollegiums und Start des Projektes lagen nur 2 Monate. Die Eltern wurden auf den Elternabenden informiert. Die Zustimmung war groß.Der Elternbeirat plant im neuen Schuljahr einen weiteren Informationsabend zu Faustlos. Weiterhin wird über eine Fortbildung des Heidelberger Präventionszentrums "Elternschule" nachgedacht, die Eltern darin unterstützen möchte, auch zu Hause mit Faustlos zu arbeiten.

Beim Kollegium herrscht die Überzeugung, dass die Arbeit mit dem Programm Faustlos hilft, die Entwicklung der Kinder zu starken Persönlichkeiten zu unterstützen, weder selbst zu mobben noch zuzulassen, gemobbt zu werden. Wir sind überzeugt, mit dieser Arbeit eine gute Grundlage für ein friedliches Miteinander zu schaffen.

In diesem Jahr hat die Schule durch eine Befragung der SchülerInnen, des Kollegiums und des Elternbeirates den Stand der Sozialkompetenz zu Beginn der Einführung von Faustlos ermittelt. Was Faustlos an unserer Schule bewirkt, ob es unsere Erwartungen erfüllt, werden wir in 1 bis 2 Jahren evaluieren.

Dank an Sparkasse Kraichgau für die großzügige Unterstützung der Schule mit Fortbildungsplätzen fürs ganze Kollegium und Materialkoffer: Eberhard Schindele, Leiter der Sparkasse Kraichgau, dem zuständigen Abteilungsleiter Willi Ernst, und der Projektbetreuerin Frau Susanne Bayer.

Waltraud Klaus, Monika Lüthje-Lenhart

 

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